Blutegel-Therapie

Die Blutegel-Therapie gewinnt in der Veterinärmedizin, vor allem aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, zunehmend an Bedeutung. Der medizinische Blutegel, welcher speziell für therapeutische Zwecke gezüchtet wird, ist ein bis zu 15 cm langer und etwa 2 cm breiter  blutsaugender Ektoparasit, der ursprünglich in sauberen Süßwassergebieten lebt.

Der Speichel der Tiere ist eine regelrechte "natürliche Apotheke". Beim Biss werden rund 20 medizinisch wirksame Substanzen freigesetzt, weswegen er nicht grundlos als wahrer "Medizincocktail" bezeichnet wird. Die drei bekanntesten Wirkstoffe, welche als besonders relevant für den Heilungsprozess gelten, sind: 

  • Hirudin: wirkt blutverdünnend und hemmt die Gerinnung
  • Calin: verlängert die Nachblutzeit und unterstützt so die natürliche Wundreinigung
  • Hyaluronidase: fördert die Entschlackung des Bindegewebes und hat eine antibiotische Wirkung


Zusätzlich wirkt der Speichel der Blutegel schmerzlindernd und durchblutungsfördernd.


Die eigentliche Behandlung dauert etwa 30 bis 60 Minuten, in Einzelfällen auch etwas länger. Nachdem die Egel sich vollgesaut haben, fallen sie von selbst ab. Im Anschluss setzt die sogenannte Nachblutzeit ein, welche auch als "kleiner Aderlass" bekannt ist und bis zu 12 Stunden andauern kann. Währenddessen verliert das Pferd jedoch nur etwa 40 bis 50 ml Blut verlieren, was den Körper zur natürlichen Wundreinigung anregt und den Stoffwechsel stimuliert. 

Anwendungsmöglichkeiten

  • Erkrankungen der unteren Extremitäten (z.B. Hufrehe) 
  • Arthrose (z.B. Spat, Schale, etc.)
  • Arthritis
  • Kissing Spines
  • Hufrollenentzündung und ähnliches
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates
  • Gelenkgallen
  • Ekzeme und Erkrankungen der Haut (z.B. Mauke)
  • Entzündungen (entzündungshemmende Wirkung)
  • Wundheilungsstörungen
  • Behandlung von Narbengewebe
  • Abszesse
  • Ödeme
  • Hämatome und ältere Blutergüsse
  • Thrombose und ähnliche Venenerkrankungen
  • Schmerzlinderung

Ist Ihr Pferd für diese Therapie geeignet? 

Die Blutegel-Therapie ist nicht für jedes Pferd geeignet. Pferde, die an Anämie (Blutarmut) leiden oder blutverdünnende Medikamente erhalten, dürfen auf keinen Fall mit Blutegeln behandelt werden. Auch der allgemeine Gesundheitszustand sowie das Wohlbefinden des Pferdes müssen vor der Anwendung sorgfältig geprüft werden. Nur ein stabiles Tier kommt für diese Therapieform infrage.



WICHTIG: 

Seit dem 28.01.2022 gilt das neue Tierarzneimittelgesetz (TAMG). Gemäß dem § 50 Abs. 2 TAMG dürfen "Tierhalterinnen und Tierhalter sowie andere Personen, die nicht Tierärztinnen oder Tierärzte sind, verschreibungspflichtige Tierarzneimittel und veterinärmedizinische Produkte sowie Arzneimittel nach § 2 Absatz 1, 2 und 3a des Arzneimittelgesetzes bei Tieren nur anwenden, soweit
1. diese von einer Tierärztin oder einem Tierarzt verschrieben oder abgegeben worden sind, bei der oder dem sich die Tiere in Behandlung befinden, und
2. die Anwendung gemäß einer tierärztlichen Behandlungsanweisung, die die Tierärztin oder der Tierarzt für den betreffenden Fall ausgehändigt hat, erfolgt.
Satz 1 gilt nicht für nicht verschreibungspflichtige registrierte homöopathische Arzneimittel nach § 2 Absatz 1, 2 und 3a des Arzneimittelgesetzes, soweit diese bei Tieren, die nicht der Gewinnung von Lebensmitteln dienen, angewendet werden."
(Quelle:
https://www.gesetze-im-internet.de/tamg/__50.html) 


Die Behandlung mit medizinischen Blutegeln ist daher ausschließlich nach einer tierärztlichen Anordnung durch den behandelnden Tierarzt möglich! Ebenfalls darf die Behandlung nur bei Pferden durchgeführt werden, welche als nicht lebensmittelliefernde Tiere eingetragen sind.  

Schlachttiere dürfen demnach nicht mit Blutegeln behandelt werden, da derzeit noch keine für die Veterinärmedizin zugelassene medizinische Blutegel zur Verfügung stehen. 

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